Interview zum Bildungskongress: „Natürlich die Abschaffung der Studiengebühren“

Interview mit Benjamin Krüger, Mitglied des LandessprecherInnenrates der Linksjugend [solid] Baden-Württemberg, zum Bildungskongress am 25./26. Juni 2010, an der Universität in Stuttgart

Thomas Mitsch: Benjamin, danke dass du nach Stuttgart gekommen bist. Am 09. Juni 2010 fanden die bundesweiten Bildungsproteste statt. Wie hast du die Proteste erlebt?

Benjamin Krüger: Ich studiere zur Zeit in Karlsruhe und habe dort die Proteste erlebt. Dieses Jahr waren ca. 3000 Bildungsstreik-AktivistInnen auf den Beinen. Erfreulich war das große Protestbündnis von SchülerInnenLehrerInnen, StudentInnen, Gewerkschaften, Der Partei DIE LINKE. und eben der Linksjugend [solid] Baden-Württemberg. Leider lag der Protesttermin ein bisschen ungünstig, da viele in den Prüfungsvorbereitungen steckten. Bundesweit waren 70.000 Protestierende auf den Straßen, dass zeigt wie tief die Unzufriedenheit ist.

T.M.: Warum habt ihr den Bildungskongress gerade jetzt geplant?

B.K.: Unsere Überlegungen waren die, dass wir nach diesen Protesten die Bewegung mit diesem Bildungs- und Aktionskongress an der Universität Stuttgart am Laufen halten wollen gerade auch in Hinblick auf die kommenden Landtagswahlen 2011.

T.M.: Wen habt ihr als ReferentInnen eingeladen?

B.K.: Es werden AktivistInnen aus Griechenland und Österreich, die Bundestagsabgeordnete Nicole Gohlke von der Linkspartei, Tobias Pflüger von der Informationsstelle Militarisierung IMI e.V., Bernd Riexinger von ver.di, Ben Brusniak von der Linksjugend [solid] und Bundesvorstand der Partei DIE LINKE. oder Volkhard Mosler, 68er Aktivist, und viele andere kommen. Auf dem Kongress sollen die unterschiedlichsten Themen erörtert werden. So z.B. „Eine Schule für alle! – Inklusion von Menschen mit Behinderung“ oder „Was macht die Bundeswehr an deutschen Schulen“. Interessantes dürften auch die Podien bieten wie „Bologna und Turboabi – Fehler im System oder Systemfehler“
oder „Athen – Wien – Stuttgart – Bildungsproteste Europaweit“.

T.M.: Was sind eure studentischen Forderungen?

B.K.: Natürlich die Abschaffung der Studiengebühren und die gesetzlich verankerte Gebührenfreiheit von Bildung, aber auch die Abschaffung von Bachelor/Master in der derzeitigen Form. Ich denke wir werden auf dem Kongress gute Möglichkeiten finden darüber zu debattieren.

T.M.: Was sind die Forderungen der SchülerInnen?

B.K.: Das mehrgliedrigen Schulsystem muss abgeschafft und kostenlose Bildung für Alle eingeführt werden. Aber natürlich auch gegen Schulzeitverkürzung, wie dem G8-Abitur. Außerdem finde ich es wichtig, dass es kleinere Klassen gibt und dazu sollten auch mehr LehrerInnen eingestellt werden. Ein weiterer Punkt ist die mangelnde Chancengleichheit im deutschen Bildungssystem, welches schon nach der vierten Klasse selektiert. Nur wenige Kinder aus nichtakademischen Familien machen einen Hochschulabschluss.

T.M.: Was verstehst Du unter Demokratisierung des Bildungssystems?

B.K.: Mehr Mitspracherecht für SchülerInnen und StudentInnen darüber wie zum Beispiel der Unterricht aussieht und was an den Schulen und Universitäten passiert. Dies müssen wir einfordern und ich sehe gute Chancen mit einem breiten Bündnis, unter anderem auch mit dem Bündnis „Wir zahlen nicht für eure Krise“, den Druck zu erhöhen. Gerade – ich habe es schon mal gesagt – wegen der Landtagswahl, weil die Bildungspolitik Ländersache ist.

T.M.: Was wünschst du dir für den Kongress?

B.K.: Einerseits, dass sehr viele kommen und die Workshops und Podien besuchen und so danach etwas in die lokalen Bündnisse und die Bewegung mitnehmen können, andererseits, dass die Podiumsdiskussionen interessant werden und man inhaltlich arbeiten kann.

T.M.: Danke Benjamin und eine gute Fahrt nach Karlsruhe.

Stuttgart, den 23. Juni 2010
Benjamin Krüger, Mitglied des LandessprecherInnenrates der Linksjugend [solid]
Baden-Württemberg
Thomas Mitsch ist Landessprecher der roten reporter/innen Baden-Württemberg

Vorläufiges Programm

Freitag, 25. Juni, 19 Uhr:

Podiumsdiskussion
„Athen – Wien – Stuttgart – Bildungsproteste Eurpaweit“
mit Bildungsaktivisten aus Deutschland, Österreich
und Griechenland, sowie Volkhard Mosler (68er-Aktivist)

Samstag, 26. Juni, 10 Uhr:

Impulspodium
„Bologna und Turboabi –
Fehler im System oder Systemfehler“

mit Nicole Gohlke und VertreterInnen
von DIE LINKE.SDS u.a.

Samstag, 26. Juni, 11.30 Uhr:

Workshop I:
„Eine Schule für Alle – Inklusion von Menschen mit Behinderung“
mit Stefan Legath (DIELINKE.)
Workshop II:
„Schneller, Effizienter, Schlanker – Die Hochschule im Kapitalismus“
mit Nicole Gohlke (DIELINKE.)
Workshop III:
„Kein Job, kein Ausbildungsplatz, keine Zukunft – Die Generation Prekär“
mit Ben Brusniak (Linksjugend)

Samstag, 26. Juni, 13 Uhr:

DIELINKE.SDS stellt sich vor
LAK Bildung der Linksjugend stellt sich vor

Samstag, 26. Juni, 14 Uhr:

Workshop IV:
„Was macht die Bundeswehr an deutschen Schulen?“
mit Tobias Pflüger (IMI)
Workshop V:
„Demokratisierung an Schule und Hochschule“
N.N.
Workshop VI:
„Von der Theorie zur Praxis – Kampagnen, Perspektiven, Aktionsideen“
mit Ben Brusniak, Oskar Stolz, u.a.

Samstag, 26. Juni, 16 Uhr:

„Auswertungsforum“
Ergebnisse der Workshops als werden dem Gesamtpodium vorgestellt

Samstag, 26. Juni, 17 Uhr:
Abschlusspodium
„Den Streik eskalieren lassen – Widerstand gegen Schwarz-Gelb auf die Straße tragen“
mit Bernd Riexinger (ver.di), SchüerInnenvertreterInnen und SDS-AktivistInnen

Flyer sind nächste Woche da

Ab Mittwoch gibt es die Straßenflyer zum Bildungskongress. Bestellen könnt ihr sie unter info@solid-bw.de

Flyer

Smash capitalist school system!!

Auf zum Landesweiten Bildung- und Aktionskongress der Linksjugend [’solid] und DIELINKE.SDS!!!

Flyer

Alle interessierten StudentInnen, SchülerInnen, PädagogInnen, WissenschaftlerInnen und Eltern sind eingeladen am 1. Landesweiten Bildungs- und Aktionskongress der Linksjugend [’solid] und DIELINKE.SDS Baden-Württemberg teilzunehmen. An zwei Tagen wollen wir uns in Diskussionen, Workshops und Arbeitsgruppen mit den Problemen und Widersprüchen des Bildungssystems im Kapitalismus auseinandersetzen, Möglichkeiten des politischen Widerstands erörtern und Rückschlüsse ziehen für die Gestaltung einer progressiven Transformation des jetzigen Zustands im Bildungssystem.

Unter anderem sind AktivistInnen aus der 68er-Bewegung, WissenschaftlerInnen und heutige BildungsstreikaktivistInnen aus dem In- und Ausland eingeladen, um den Kongress erfolgreich werden zu lassen. Weitere Informationen folgen in den nächsten Wochen.